„Schnelles Internet“: Engpass in Gewerbegebieten beseitigt
Mit Selbsthilfe gegen Standort-Nachteil.

Velmede: „Schnelles Internet" per DSL - für private Nutzer ist das angenehme Selbstverständlichkeit. Für viele Firmen ist eine „breite Datenautobahn" dagegen existenziell wichtig. In den Velmeder Gewerbegebieten „Kleiner Öhler" und „Wiemecker Feld" ist ein jahrelanger Engpass beseitigt.
Bis vor wenigen Tagen war es westlich von Velmede wie in vielen Gewerbegebieten im HSK: Außerhalb der Ortslage ist die Entfernung zum nächsten DSL-Vermittlungspunkt der Telekom zu groß - keine Chance auf „schnelles Internet". Eine Tatsache, von der die Brüder Bernd und Christian Häger völlig überrascht wurden, als sie mit ihrem Transport- und Logistikunternehmen aus dem Bestwiger Ortsbereich jetzt in den „Kleinen Öhler" umzogen. Bernd Häger: „Ich habe das Thema DSL als absolute Nebensache angesehen".
Gespräche mit der Telekom korrigierten diesen Eindruck. DSL gebe es nicht im „Kleinen Öhler" - und die Schaffung einer Verbindung sei langwierig und überaus teuer. „Als Kleiner rennt man bei der Telekom vor die Wand", klagt Häger - der ländliche Raum sei für den Konzern offenbar nicht interessant. Man benötige DSL jedoch nicht weniger als ein Betrieb in einem Ballungszentrum: „Wir leben davon, dass uns die Kunden ihre Aufträge per E-Mail übermitteln." Ebenso sei das Unternehmen in einem Verbund zur Stückgutvermittlung mit 120 Partnern deutschlandweit. „Dazu braucht man einfach DSL." Bernd Häger: „Für uns eine Existenzfrage, die ich völlig unterschätzt habe."
Die Gemeindeverwaltung stellte den Kontakt zu dem Lennestädter Unternehmen „Innofactory" her - und das Team um die Geschäftsführer Mario Heuel und Wolfgang Grothe konnte helfen. Sie schufen in nur dreiwöchiger Projektzeit einen Breitband-Internetzugang über Funk. Die bereitgestellten Anschlüsse sind mehr als 30-mal so schnell wie die bisher verfügbare Technik.
Das Prinzip: Eine zentrale Basisstation wird an das Netz der Telekom angebunden. Von dort aus wird das „schnelle Internet" den Kunden per Richtfunk zur Verfügung gestellt. Wolfgang Grothe: „Die Firmen verfügen jetzt über eine Anbindung mit Standleitungsqualität." Fünf Betriebe machen bislang mit, neue können jederzeit hinzukommen.
Warum kann „Innofactory das, was die Telekom nicht kann" „Die Telekom konzentriert sich auf das Kabelgeschäft", erklärt Grothe - die von seinem Unternehmen genutzte Technik zur Breitband-Übertragung per Richtfunk habe die Telekom nicht im Angebot. Allerdings, so Grothe: „Die Investition, die die Telekom hier in die Kabel-Technologie machen müsste, wäre das Zehnfache von dem, was wir machen müssen."
Das Netz in den Gewerbegebieten hat einen „operativen Radius" von rund sechs Kilometern und könnte durchaus auch Kunden innerhalb der Ortslagen von Velmede und Bestwig bedienen. Die anderen Unternehmen in „Kleiner Öhler" und „Wiemecker Feld" seien froh, dass Datenübertragung jetzt nicht mehr nur im Schneckentempo möglich ist. „Wir haben durchweg positives Feedback", so Mario Heuel.
Der Engpass in den Gewerbegebieten sei beseitigt, meint Bernd Häger - nicht aber das Grundproblem: Die Unterversorgung des ländlichen Raums in vielen Bereichen. Häger: „Hier hat man einen Standortnachteil. Eigentlich müssten wir weg aus dem Sauerland." Er erwartet von der Politik mehr Druck für Lösungen - und auch mehr Unterstützung. Schließlich handele es sich um Standortbedingungen: „Die Gemeinde müsste sich an den Kosten beteiligen."
Viele Unternehmen hätten noch nicht begriffen, wie wichtig das Thema Kommunikation für die Zukunft werde - allein schon, um im Wettbewerb mitzuhalten oder etwa Bedingungen für Telearbeit zu schaffen, meint Mario Heuel. Wenn die Voraussetzungen dafür fehlten, sei man klar im Nachteil, so Heuel. „Dann werden ganze Regionen abgehängt. "Für das heimische Transport- und Logistikunternehmen ist das ganz konkret.
Bernd Häger: "Wenn diese Lösung nicht zustande gekommen wäre, wüsste ich nicht, was jetzt brennt und liefe."
Westfälische Rundschau 15.3.2008


